Gorodec (Stadt)

Gorodec (russ.)

G. liegt 60 km von Nischni Nowgorod entfernt an der Wolga, auf ca. 125 m ü. d. M, und hat 31.700 Einwohner (2005). Die Stadt ist Zentrum des Kreises G. Ihre Fläche beträgt 10 km². Die Durchschnittstemperaturen betragen im Januar –12 C° und im Juli 19 C°. Die Niederschlagsmenge liegt bei durchschnittlich 500 mm im Jahr.

G. wurde zum ersten Mal 1152 bzw. 1172 als altrussische Festung an der Wolga erwähnt, die später auch als ›G.-Radilov‹ und ›Malyj Kitež‹ bekannt wurde. Die auf 1152 datierte Gründung G.s wird Jurij Dolgorukij zugeschrieben und mit dem Ausbau seines Fürstentum Rostov-Suzdalʹ in Zusammenhang gebracht. 1155 soll er die Verwaltung an seinen Sohn Vasilij übergeben haben, der die Stadt wahrscheinlich zur Fürstenresidenz ausbauen ließ.

Durch seine günstige Lage entwickelte sich G. rasch auch zu einem Zentrum für Handel und Handwerk. Während des Einfalls der Mongolen unter Batu Khan 1238 brannte die Stadt fast vollständig ab, wurde jedoch wiedererrichtet. 1263 verstarb hier im wiedererrichteten Fëdorov-Kloster (Fëdorovskij monastyrʹ) auf seiner Rückreise von der Goldenen Horde Aleksandr Nevskij. Das etwa um diese Zeit selbständig gewordene Fürstentum G. ging, bevor es 1408 erneut durch mongolische Überfälle verwüstet wurde, in der zweiten Hälfte des 14. Jh. in den Besitz des Fürsten von Nischni-Nowgorod über.

Handel und Handwerk lebten erst im 17. Jh. wieder auf. Unter Peter I. wurde G. dann zu einem Zentrum des Schiffbaus und des Holzhandwerks, dessen Aufschwung v. a. auf das in der Stadt im 19. Jh. konzentrierte starke Altgläubigentum zurückgeht.

G. und seine Umgebung sind bis heute durch traditionelles Kunsthandwerk, v. a. Holzschnitzerei und -malerei berühmt. Der aus G. stammende Ikonenmaler Prochor gehörte im 15. Jh. zu den bekanntesten der Rus. Durch kunstvolle Schnitzereien verzierte Wohnhäuser aus dem 17. Jh. zählen zu den Architekturdenkmälern der Stadt. Beeindruckend sind auch die Überreste des Kremls, von dessen ursprünglicher Länge von ca. 3500 m heute noch 2000 m erhalten sind. Obwohl die Chroniken nichts über seine Entstehungszeit aussagen, wird vermutet, dass er zur Zeit der ersten Erwähnung G.s bereits bestand.

(Julia Schatte)

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