Treblinka

Treblinka (poln.)

Das Lager T. lag im nordöstlichen Teil des Generalgouvernements bei der Stadt Małkinia Górna in der Nähe der Bahnstrecke Warschau-Białystok, 80 km nordöstlich von Warschau. Es wurde 1941 als Straflager für polnische und jüdische Zwangsarbeiter gegründet. Das Vernichtungslager wurde im Mai/Juni 1942 errichtet. Ein spezielles Nebengleis wurde vom Bahnhof T. nach dem Vernichtungslager verlegt. Das Lager war in einem Rechteck von 400 Meter Breite und 600 Meter Länge angelegt. Es war in drei Bereiche eingeteilt: Unterkünfte, Ankunft von Transporten und Vernichtungsprozess. Neben dem Gleis und der Rampe lag der „Umschlagplatz“, ein eingezäunter Abschnitt mit zwei Baracken, wo die Neuankömmlinge ihre Kleider ablegen mussten. Hier befanden sich auch zwei große Lagerräume, wo die persönliche Habe der Opfer sortiert und aufbewahrt wurde. Ein schmaler Weg, „Schlauch“ genannt, führte vom Ankunfts- zum Vernichtungsbereich, den man als „Totenlager“ bezeichnete. Mit dem Eintreffen der ersten Transporte aus dem Warschauer Ghetto am 23.07.1942 war das Lager „funktionsfähig“. Der erste Lagerkommandant in T. war SS-Obersturmführer Irmfried Eberl.

Im Herbst 1942 wurde er durch den SS-Obersturmführer Franz Stangl, den früheren Kommandanten des Lagers Sobibór, abgelöst, weil er mit den Bergen von Leichen nicht fertig wurde.

20 bis 30-SS-Männer leiteten das Lager. Eine 90 bis 120 Mann starke Kompanie von meist ukrainischen ›Trawniki‹-Männern diente als Lagerwachmannschaft. Zwischen 700 und 1000 jüdische Gefangene hatten im Lager Schwerstarbeit zu leisten. In zwei Monaten wurden 366.000 Opfer umgebracht. Anfänglich gab es drei Gaskammern (4 x 4 m; 2,6 m hoch), später 13 (4 x 8 m; 2 m hoch), die insgesamt 4000 Menschen fassen konnten. Die Tötung fand durch Kohlenmonoxyd statt, das von Dieselmotoren erzeugt wurde. Der qualvolle Tod dauerte bis zu 30 Minuten. Anfangs nahm es drei bis vier Stunden in Anspruch, bis alle Opfer eines Transports von 20 Waggons ermordet waren, mit der Zeit schaffte die SS die Tötung in ein bis zwei Stunden. Es wurden insgesamt 870.000 Menschen umgebracht, zunächst vorwiegend polnische Juden aus dem Warschauer Ghetto, dann im Winter 1942/43 479.000 Juden aus den Distrikten Radom und Lublin und dem Bezirk Białystok, weiterhin Opfer aus Theresienstadt, der Slowakei, Griechenland und Mazedonien. Nach einem Besuch Heinrich Himmlers in T. Ende Februar bzw. Anfang März 1943 begann man auf seinen Befehl hin, die Leichen der Opfer zu verbrennen. In der Endphase des Lagers kam es am 02.08.1943 zu einem sorgfältig geplanten bewaffneten Aufstand der „Arbeitsjuden“, was die Auflösung des KZ T. beschleunigte. Daraufhin wurden die Lagereinrichtungen abgerissen und die Spuren verwischt.

1964 wurde am Ort des ehemaligen Vernichtungslagers eine Denkmalanlage errichtet.

(Georg Wurzer)

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