Mahilëŭ (Stadt)

Mahilëŭ (weißruss.; poln. Mohylew, poln. hist. Mohyla, russ. Mogilëv).

Inhaltsverzeichnis

1 Geographie

Die rund 373.000 Einwohner (2001) zählende Stadt M. liegt Osten der Republik Weißrussland 194 m ü. d. M. an der Mündung des Flusses Dubravenka in den Dnjepr. M. ist Hauptstadt des gleichnamigen Gebietes nahe der russischen Grenze und verfügt als bedeutender Verkehrsknotenpunkt auch über einen Binnenhafen und einen Flughafen.

M. ist heute das drittgrößte Industriezentrum des Landes. Die wichtigsten Industriezweige sind der Fahrzeugbau, der Maschinenbau, die chemische Industrie, die Leichtindustrie und die Lebensmittelindustrie. Um die Region für aus- und inländische Investoren interessanter zu machen, wurde 2002 in M. eine Sonderwirtschaftszone geschaffen, die für Unternehmen zahlreiche Steuervergünstigungen vorsieht (zunächst bis 2032). M. verfügt über vier Hochschulen (davon eine private). Die Staatliche Universität für Lebensmittelwissenschaft M. ist die einzige Hochschule mit dieser fachlichen Ausrichtung in Weißrussland. Die wichtigsten Museen sind das Landeskundliche Museum des Gebietes M., das Stadtgeschichtliche Museum und das Ethnographische Museum.

2 Kulturgeschichte

Die Stadt bildete sich um eine 1267 am Ufer des Dnjepr errichtete Burg. Die erste urkundliche Erwähnung M.s geht auf das 14.Jh. zurück. Als einzige Stadt in Weißrussland verfügt M. über drei Stadtbefestigungsringe: Der erste umschließt die Burg (etwa 600 m lang), der zweite die Altstadt, den Marktplatz und die angrenzenden Handels- bzw. Gewerbeviertel (über 1400 m lang) und der dritte die Vorstadt (über 5000 m lang). 1577 erhielt M. das Recht zur städtischen Selbstverwaltung auf Grundlage des Magdeburger Rechts. M. war in dieser Zeit die größte Stadt der Region und entwickelte sich zu einem wichtigen Warenumschlagplatz und Handwerkszentrum. Im 16. Jh. wurde M. nach Vilnius zu einer der bedeutendsten Städte des Großfürstentums Litauen. In dieser Zeit war die Stadt häufig Schauplatz militärischer Auseinandersetzungen zwischen Litauen und Moskau. Vom Ende des 16. Jh. bis zum 18.Jh. bildete M. ein Zentrum der orthodoxen Kirche in Weißrussland. Nach der ersten Teilung Polens befand sich M. seit 1772 im russischen Teilungsgebiet und wurde Hauptsstadt des Gouvernements M. (1778–96 u. 1801–18). Seit 1773 war M. Sitz der katholischen Diözese Weißrusslands, die jedoch durch den Papst keine Anerkennung erfuhr.

Im Ersten Weltkrieg befand sich vom 21.08.1915 bis zum 26.02.1918 in M. das Hauptquartier des russischen Heeres, das nach der Oktoberrevolution von bolschewistischen Einheiten übernommen wurde. Am 12.03.1918 besetzten die polnischen Legionen die Stadt. Vom 26.05.1918 bis zum 31.10.1918 war M. von deutschen Streitkräften besetzt. Nach dem Krieg war M. zunächst Teil der „Russländischen Sozialistische Föderative Sowjetrepublik“ (Rossijskaja Sovetskaja Federativnaja Socialističeskaja Republika, RSFSR) und kam im März 1924 zur „Weißrussischen Sowjetrepublik“ (Belarus’skaja Saveckaja Sacyjalistyčnaja Rėspublìka, BSSR). Seit Juni 1924 war M. Zentrum des gleichnamigen Bezirkes und Kreises und ab Januar 1938 Hauptstadt des Gebietes M. Nach dem Überfall auf die Sowjetunion wurde M. im Zweiten Weltkrieg am 26.07.1941 von der deutschen Wehrmacht besetzt. Die Besatzungszeit dauerte bis zum 28.06.1944 an. Während des Krieges kamen rund 70.000 Einwohner der Stadt ums Leben, etwa 30.000 mussten Zwangsarbeit in Deutschland leisten. Die Besatzer unterhielten in M. mehrere Lager und richteten ein Getto für die jüdische Bevölkerung der Stadt und der Region ein. M. war Zentrum des Widerstandes gegen die Deutschen, der von rund 40 verschiedenen Gruppierungen getragen wurde.

(Kai Witzlack-Makarevich)

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