Perserreich

Perserreich

Das P. war eines der bedeutendsten altorientalischen Weltreiche der Antike. Sein Kernland lag nordöstlich des Persischen Golfes. In seiner größten Ausdehnung (Mitte 6. Jh.–Mitte 4. Jh. v. Chr.) erstreckte es sich über ein Territorium, das den heutigen Staat Iran und große Teile der östlichen Mittelmeerländer, des Irak sowie Afghanistan, Pakistan, Turkmenistan, Usbekistan, Tadschikistan und Kirgisistan umfasst. Anfang des 7. Jh. v. Chr. bereits entstand unter den aus dem Nordwesten Irans stammenden Medern ein erstes P. in Mesopotamien, über das es jedoch wenig schriftliche und archäologische Zeugnisse gibt. Es wurde Mitte des 6. Jh. von Kyros II. (III.) aus der Dynastie der persischen Achämeniden (559–330 v. Chr.) unterworfen und Teil eines Großreiches, das sich ungefähr vom Iaxartes (heute Syrdarja, Kasachstan) über Kleinasien bis zur nordafrikanischen Küste ausdehnte. Sein administratives Zentrum war Ekbatana, später Persepolis (Iran).

Die Auseinandersetzungen mit Griechenland gipfelten in den „Perserkriegen“ 492–449 v. Chr. und schließlich in der Eroberung des P. durch Alexander den Großen nach der Schlacht bei Issos (Türkei) 333 v. Chr. Im 2. Jh. v. Chr. übernahm schließlich der vom Kaspischen Meer stammende persische Stamm der (Parther), der im Konflikt um Armenien wiederholt mit dem Römischen Reich zusammenstieß (sog. Partherkriege, 1. Jh. v. Chr.), die Herrschaft.

Unter der Dynastie der Sassaniden (224–651) erneuerte sich das P., dem Ende des 6., Anfang des 7. Jh. auch ein weites Vordringen in den oströmischen Machtbereich gelang. Der Ansturm nomadischer Steppenvölker (u. a. die „Weißen Hunnen“) sowie innenpolitische Unruhen lösten schon ab Mitte des 5. Jh. eine Krise des Reiches aus. Ca. ein Jahrhundert später eroberten die Araber das Gebiet, Mitte des 13. Jh. die mongolischen Il-Khane. Erst um 1502 gelangte wieder eine persische Dynastie an die Macht. Die Gesellschaft des P. differenzierte sich in König, Adel, Bauern und Sklaven und blieb über die Jahrhunderte konstant. Die Stabilität des Königtums seit den Achämeniden scheint in der endogamen Heiratspolitik begründet zu liegen. Der König galt als gottgleich. Ähnliche politisch-religiöse Grundlagen zeigt (später) das byzantinische Kaisertum.

Seine wirtschaftliche Unabhängigkeit verdankt das P. v. a. der begünstigten Lage an der Seidenstraße. Es war Drehscheibe des Seiden- und Gewürzhandels von Fernost in die östlichen Mittelmeerländer und des Austauschs von Luxusgütern in umgekehrter Richtung. Zu blühenden Handels- und Kulturzentren entwickelten sich neben den Hauptstädten die Städte Ktesiphon (Irak), Seleukeia (Türkei), Nisā (Turkmenistan), Pasargadai und Susa (Iran). Das riesige Reich wurde in Form von Satrapien (z. B. Persien, Lydien, Baktrien, Arachosien) verwaltet, die unter den Parthern zunehmende Autonomie (z. B. das Münzrecht) erlangten. Die relativ langandauernde Stabilität des polyethnischen, vielsprachigen und multireligiösen P., in dem z. B. Juden, Christen, Manichäer, Zoroastrier und Mazdakiten lebten, basierte nicht zuletzt auf seiner kulturellen Integrationskraft. Elemente der persischen Bau-, Bild- und Textilkunst hatten über die Jahrhunderte weitreichenden Einfluss v. a. in Byzanz und Armenien.

Brosius M. 1996: Women in Ancient Persia (559–331 B.C.). Oxford. Boardmann J. 2003.: Die Perser und der Westen. Eine archäologische Untersuchung zur Entwicklung der achämenidischen Kunst. Mainz. Dignas B., Winter E. 2001: Rom und das Perserreich. Zwei Weltmächte zwischen Konfrontation und Koexistenz. Berlin. Schippmann K. 1990: Grundzüge der Geschichte des sasanidischen Reiches. Darmstadt. Wiesehöfer J. 1999: Das frühe Persien. Geschichte eines antiken Weltreiches. München.

(Myrtia Hellner)

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