Kaluga (Stadt)

Kaluga (russ.)

Inhaltsverzeichnis

1 Geographie

K. ist Hauptstadt des Gebiets K., liegt am linken, hohen Ufer der Oka, 188 km südwestlich von Moskau auf einer Höhe von 176 m ü. d. M. und verfügt über einen Flusshafen. K. hat 329.100 Einwohner (2005), deutlich über 90 % der Bevölkerung sind Russen, daneben wohnen in der Stadt v. a. Ukrainer und Weißrussen. Die mittlere Temperatur im Januar in K. beträgt –8,5 °C, im Juli 17,5 °C. Die mittlere Summe der jährlichen Niederschläge beläuft sich auf 625 mm.
Wichtige Wirtschaftszweige in K. und dem gesamten Gebiet sind die Landwirtschaft, Maschinen- und Anlagenbau, Leicht- und Lebensmittelindustrie. Neben zahlreichen Filialen Moskauer oder landesweiter Hochschulen ist als höhere Bildungseinrichtung v. a. die „Staatliche Pädagogische Ciolkovskij-Universität K.“ (Kalužskij Gosudarstvennyj Pedagogičeskij Universitet im. K. Ė. Ciolkovskogo) zu erwähnen.

2 Kulturgeschichte

Erstmalig wurde K. 1371 in einer Urkunde des litauischen Großfürsten Algirdas erwähnt. K. entstand als Grenzfestung im Südwesten der Moskauer Rus. Nach 1500 bildete es kurzzeitig ein eigenes unabhängiges Fürstentum. 1606/07 war K. Zentrum des Bauernaufstandes unter Ivan Bolotnikov.
Vom 17.–19. Jh. war K. Handelsstadt, sie lag auf der Route zwischen Moskau und der Ukraine. 1718 ließ Peter I. eine Segel- und 1720 eine Papiermanufaktur errichten.
Während des Russlandfeldzugs von Napoleon machte sich K. einen Namen, als die in der Stadt stationierten Truppen Michail I. Kutuzovs ein Ausweichen der napoleonischen Truppen nach Süden verhinderten. Im Zweiten Weltkrieg wurde K. 1941 kurzzeitig von deutschen Truppen besetzt.
In der Innenstadt ist das klassizistische architektonische Ensemble aus dem 18. Jh. weitgehend erhalten. Als Besonderheit gelten Wohnhäuser aus Stein mit dreigeteiltem Grundriss, die Steinbrücke (1777–78), die sog. Amtsstellen (Zdanie prisutstvennych mest, 1780–85), die „Dreifaltigkeitskathedrale“ (Troickij sobor, 1786–1819), der sog. Kaufhof (Gostinnyj dvor, 1785–88, 1811–21), die Häuser der Familien Zolotorëv, Kologrivov (1805–08) und Meškov (Beginn 19. Jh.), die „Adelsversammlung“ (Dvorjanskoe sobranie, 1848–50) und einstöckige Holzhäuser mit einer Reihe aus drei Fenstern, herausragenden Simsen und geschnitzten Verzierungen im Empirestil. Älteren Datums ist die „Mariä-Fürbitte-Kirche am Graben“ (Cerkovʹ pokrova na rvu, 1687).
Das „Staatliche Dramaturgische Theater K.“ (Kalužskij gosudarstvennyj dramatičeskij teatr) ist eines der ältesten Russlands und erlebte 1777 seine erste Aufführung.
K. gilt als die „Wiege der Kosmonautik“, das ehemalige Wohnhaus des Begründers der modernen Luft- und Raumfahrt Konstantin E. Ciolkovskij (1857-1935) ist heute ein Museum. Nach ihm benannt ist zudem das 1967 eröffnete Museum für Raumfahrtgeschichte, dessen Grundstein Jurij Gagarin legte. Dieser lebte ebenfalls mehrere Jahre in K. und sein Wohnhaus ist als Museum der Öffentlichkeit zugänglich. In der Stadt und ihrer Umgebung sind mehrere Forschungsinstitute für Physik, insbesondere Atomphysik angesiedelt. Zu den herausragenden Persönlichkeiten der Region zählt Ekaterina Daškova (1743–1810), die erste weibliche Präsidentin der Russischen Akademie der Wissenschaften.

http://www.kaluga.ru [Stand 21.9.2005].

(Ulrike Granaß)


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