Svatý Václav

Svatý Václav (Wenzel), *ca. 907 †(929/935) Stará Boleslav, Herzog von Böhmen, Heiliger. Sohn von Herzog Vratislav I. und Drahomíra aus dem Stamm Stodoranů („Heveller“), Bruder des späteren Herzogs Boleslavs I.

Erstmals wird V. im Zusammenhang mit seiner Haarschur durch Bf. Nother II. v. Verona 915 erwähnt. Nach dem Tod seines Vaters 921 als Fürst anerkannt, aber unter der Vormundschaft seiner Mutter erhielt er auf Budeč am Hofe seiner Großmutter Ludmila (*860 †15.9.921) bis zu deren Ermordung durch die heidnische Drahomíra eine einfache christliche Bildung vermittelt. Als V. 924/925 selbständig zu regieren begann, verbannte er Drahomira und holte die von jener vertriebenen bayerischen Priester wieder ins Land, wobei er anscheinend das Bündnis mit Arnulf erneuerte. Zugleich kämpfte V. erfolglos gegen König Heinrich I., dem er sich 929 unterwerfen und dem er ›tributum pacis‹ zahlen musste. Im Inneren bemühte sich V. den Legenden zufolge um eine Gerichtsreform, die Verbreitung des Christentums und eine Stärkung der Streitmacht.

V.s Konzeption eines Anschlusses an das bayerisch-italienische Reich Arnulfs (ab ca. 933) erregte bei seinem jüngeren Bruder Boleslav Widerspruch, der für eine Stärkung des přemyslidischen Fürstentums unter Ausschaltung der übrigen böhmischen Fürsten eintrat. Diese Auseinandersetzung eskalierte am 28.9.935 (oder nach älterer Auffassung 929), als V. von Boleslav bzw. seiner Gefolgschaft (družina) getötet wurde. In der Folge liquidierte Boleslav V. Gefolgschaft und konnte sich als Herzog durchsetzen.

Nach der Überführung der Gebeine durch Boleslav in den Veitsdom 938 (932) begann bald die Verehrung V.s, die im 11. Jh. einen offiziellen Charakter erhielt, wobei V. zum Landespatron, zum „Erbherr“ der böhmischen Adelsfamilie und „ewigen Herrscher“ stilisiert wurde.

Seine Verehrung brach auch nach dem Mittelalter nicht ab, vielmehr erlebte sie im 19. und 20. Jh. eine erneute Blüte, als V. zuerst eine Figur des modernen tschechischen Nationalbewusstseins, später zum national-katholischen Symbol wurde.

Blahová M. 1997: Wenzel. Angermann N. (Hg.): Lexikon des Mittelalters 8. München, 2185–2187. Kallert K. 2001: Landesheilige in Böhmen: Das Denkmal und die Denkmäler. Koschmal W. (Hg.): Deutsche und Tschechen. Geschichte – Kultur – Politik. München, 162-179. Třeštík D. 1997: Počátky Přemyslovců. Vstup Čechů do dějin (530–935). Praha.

(Stefan Albrecht)


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