Kyjov

Kyjov (tschech., dt. hist. Gaya).

Die 192 m ü. d. M. am Fluss Kyjovka gelegene südmährische Stadt K. zählt 12.003 Einwohner (2006) und ist das Zentrum eines Obst-, Gemüse- und Weinanbaugebiets (Kyjovská pahorkatina). Bekannt ist K. für das seit 1921 stattfindende Folklorefestival (Folklorní festival Slovácký rok). Als Moravské Slovácko bezeichnet man das Gebiet Südostmähren ein Gebiet zwischen der March, den Weißen Karpaten, und dem Gebirge Chřiby, in dem früher ein Dialekt ähnlich dem Westslowakischen gesprochen wurde.

Die erste schriftliche Erwähnung von K. stammt aus dem Jahre 1126. Bis 1539 gehörte K. dem Kloster Hradisko bei Olomouc. 1548 kauften die Bürger das 1515 zur Stadt erhobene K. von seinem adeligen Besitzer frei. Zu dieser Zeit wurde das später mehrfach umgebaute Renaissanceschloss (heute Museum) errichtet. Mitte des 19. Jh. nahmen die nationalen Auseinandersetzungen zwischen Deutschen und Tschechen in K. zu. Laut Volkszählung lebten 1880 in K. 1803 Tschechen und 1556 Deutsche. 1896 wurde der erste tschechische Bürgermeister gewählt. Ein wirtschaftlicher Aufschwung erfolgte Mitte des 19. Jh. durch die Gründung einer Zuckerfabrik und Glashütte, die bis heute besteht sowie durch den Abbau von Braunkohle in der Umgebung. K. wurde an die Eisenbahnlinie BrünnTrenčín (mit der Nebenstrecke K.– Muteniče) angeschlossen.

Nach der Entstehung der Tschechoslowakei 1918 nahm die tschechische Bevölkerung zu. 1921 lebten in K. 4131 Tschechen und 54 Deutsche. Seit 1880 bestand eine selbständige jüdische Gemeinde(1890: 303 Mitglieder), deren Mitglieder während der deutschen Okkupation 1939–45 in Konzentrationslager deportiert wurden. 1980 wurde das Dorf Bohuslavice eingemeindet, in dem bei archäologischen Ausgrabungen Überreste alter Siedlungen aus der Bronzezeit sowie Mammutknochen gefunden wurden.

(Katrin Bock)

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