Drau

Drau (ital./kroat./slowen. Drava, latein. Dravus, ungar. Dráva)

Inhaltsverzeichnis

1 Geographie

Die D. ist mit 707 km fünftlängster Nebenfluss der Donau und nach der Save deren längster rechter Nebenfluss mit einem Einzugsgebiet von 40.200 km² auf dem Gebiet der Staaten Italien, Österreich, Slowenien, Kroatien und Ungarn.

Die D. entspringt am Toblacher Feld (ital. Campo di Dobbiaco) im italienischen Teil des Pustertals (ital. Val Pusteria) auf etwa 1200 m Seehöhe und wendet sich nach Überschreiten der österreichischen Grenze zunächst nach Nordosten, wo sie im eingekerbten Osttiroler Abschnitt des Pustertals auf das Lienzer Becken zufließt. Dort empfängt sie im Bereich der Stadt Lienz als linken Nebenfluss aus den Zentralalpen die wasserreichere Isel. Die D. schlägt nach Passieren des Tiroler oder Kärntner Tors eine vorwiegend östliche Richtung ein und erreicht durch den breiten Trog des Oberdrautals die Sachsenburger Enge, durch die sie das Lurnfeld betritt. Während ihres ganzen bisherigen Laufes bildete sie die Grenze zwischen den Zentralalpen im Norden und den Südlichen Kalkalpen.

Im Lurnfeld nimmt sie als linke Nebenflüsse die Möll und die Lieser auf, die aus den Zentralalpen kommen und passiert die Stadt Spittal an der Drau. Der nun folgende, südöstlich orientierte breite Abschnitt des D.tales wird Unteres Drautal genannt.

Er verengt sich vor Villach (58.290 Einwohner 2005, 501 m Seehöhe), das schon seit der Römerzeit eine wichtige Rolle als Handelsstadt und Verkehrsknoten am Schnittpunkt zwischen ›Schrägem Durchgang‹ (Wien–Semmering–Udine–Venedig und Tauern-Karawanken-Route spielte. Noch im Stadtgebiet von Villach empfängt die D. mit der Gail ihren größten rechten Nebenfluss.

Südöstlich von Villach durchfließt sie, mehrfach aufgestaut, in östlicher Richtung und am Nordfuß der Karawanken (ital. Caravanche, slowen. Karavanke) das Rosental (slowen. Rož) und gräbt sich nach Aufnahme der Gurk (slowen. Krka) als linkem Nebenfluss im anschließenden Jauntal (slowen. Podjuna) tief in die Schotterterrassen ein. Zwischen Lavamünd und Unterdrauburg (slowen. Dravograd) überschreitet die D. die slowenische Grenze und nimmt in östlicher Richtung durch ein Engtal mit vielen Stauseen fließend Kurs auf Marburg (slowen. Maribor), die größte Stadt an der D. (114.000 Einwohner 2002, 274 m Seehöhe).

Die D. fließt nun in südöstlicher Richtung durch das bis zum Zweiten Weltkrieg überwiegend deutsch besiedelte Pettauer Feld (heute slowen. Dravsko polje) mit der Stadt Pettau (heute slowen. Ptuj), die zur Römerzeit das wichtigste Zentrum im östlichen Teil des heutigen Sloweniens war. Bei Ormož (slowen., dt. hist. Friedau) betritt sie Kroatien. Nur noch selten in ursprünglichen Aulandschaften und häufiger innerhalb von großräumigen Stausystemen (Kanälen und Stauseen) passiert sie die Festungs-, Barock- und Industriestadt Varaždin (41.434 Einwohner 2001, 174 m Seehöhe), bevor sie an der ungarischen Grenze aus den österreichischen Alpen ihren längsten Nebenfluss (454 km), die Mur aufnimmt.

Von dort an und bis kurz vor Osijek (dt. hist. Esseg, 91.000 Einwohner, 94 m Seehöhe,) bildet sie als durch breite Augebiete mäandrierender Tieflandsfluss zumeist die Grenze zwischen Kroatien und Ungarn. Vor Osijek betritt die D. wieder zur Gänze Kroatien und trennt die bis 1919 zu Ungarn gehörende historische Kulturlandschaft Baranya (ungar., kroat. Baranja) vom südlich davon gelegenen Slawonien. An der Mündung der D. in die Donau kam es in kalten Wintern oft zu „Eisstößen“, d. h zum Rückstau von Treibeis und dadurch bedingt zu Überschwemmungen. Der Zwickel zwischen D. und Donau ist ein großes Sumpf- und Riedgebiet und wurde zum Nationalpark erklärt (kroat. Kopačevski rit, 17.770 ha).

Nach den langjährigen Mitteln des Mittelwasserstandes führt die D. vor Villach eine Wassermenge von 158 m³/s, in Lavamünd eine solche von 327, in Marburg von 276 und an der Mündung in die Donau von 670. Die D. ist einerseits ein Alpenfluss, wird andererseits aber auch von den herbstlichen Niederschlagsmaxima in den Südalpen betroffen, so dass Hochwasserstände nicht nur nach der alpinen Schneeschmelze im späten Frühjahr und bis in den Juli häufig sind, sondern auch im Spätherbst. Der außerordentliche Niederschlagsreichtum v. a. im oberen Draugebiet macht die D. zu einem Fluss mit häufigen Überschwemmungen. Das Flussbett der D. ist entlang ihres gesamten Oberlaufs und bis zu ihrem Austritt aus dem Gebirge bei Maribor durch Erosion (Eintiefung) gekennzeichnet, dann überwiegt bis etwa zur Mitte ihres Laufs entlang der ungarischen Grenze die Akkumulation, schließlich wieder die Erosion.

Die Wasserqualität der D. ist bis zum Pettauer Feld nur für kurze Strecken (unterhalb von Villach und Maribor) beeinträchtigt. Von dort ab und bis zur Mündung muss die D. aber als stark verschmutzt gelten. Das ›Drava River Basin Project‹ versucht als ein von der EU kofinanziertes Projekt die Wasserqualität der D. v. a. an ihrem Unterlauf entlang der ungarisch-kroatischen Grenze zu heben.

Die Wasserkraft der D. wird zwischen Spittal an der D. und der Einmündung der Mur durch insgesamt 22 durchwegs erst nach dem Zweiten Weltkrieg entstandene Kraftwerke genutzt (11 auf österreichischem, 8 auf slowenischem und 3 auf kroatischem Gebiet), wobei aber nur die 5 Kraftwerke unterhalb von Maribor eine installierte Leistung von mehr als 60 MW aufweisen. Das Kraftwerk Sevnica an der slowenischen Drau zwischen Zidani Most und Krško befindet sich im Bau. Ab dem Erreichen der ungarischen Grenze wird die D. ein reiner Tieflandsfluss und eignet sich kaum noch für eine effiziente Wasserkraftnutzung.

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2 Kulturgeschichte

Seit dem 13. Jh. sind für die D. zahlreiche Wassermühlen aber auch die Flößerei belegt, seit dem frühen 16. Jh. wohl auch die Schifffahrt. Besonders vor dem Aufkommen der Eisenbahn, aber ausklingend auch noch bis zum Zweiten Weltkrieg war auf der D. das Flößen von Holz und landwirtschaftlichen Produkten von großer wirtschaftlicher Bedeutung. Heute dient die D. als Binnenwasserstraße nur noch in ihrem untersten Abschnitt ab Osijek. Im Bereich von Villach und Maribor gibt es lokalen Passagierverkehr.

Die D. war von jeher auch ein Grenzfluss. 811 wurde sie als Grenze zwischen den Missionsgebieten Salzburg und Aquileja festgelegt und trennte bis ins 18. Jh. diese zwei Kirchenprovinzen. Zudem war die D. seit dem 13. Jh. auch Grenze des Handels von Meersalz aus dem Süden einerseits und alpinen Salzbergbauen andererseits. Nach beiden Weltkriegen diente der Fluss in Unterkärnten kurzzeitig als Grenze zwischen Österreich und jugoslawischen Okkupationseinheiten.

Breu J. (Hg.) 1970–89: Atlas der Donauländer. Wien. Österreichisches Ost- und Südosteuropa-Institut (Hg.) seit 1989: Atlas Ost- und Südosteuropa. Stuttgart.

(Peter Jordan)

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