Pavelić, Ante

Pavelić, Ante; *14.7.1889 in Bradina (Herzegowina) † 28.12.1959 in Madrid, Politiker, Nationalist, Führer der kroatischen Bewegung Ustaša und des „Unabhängigen Staates Kroatien“ (Nezavisna Država Hrvatska) 1941–45.

P. studierte Jura in Zagreb und zog 1919 für die „Kroatische Rechtspartei“ (Hrvatska Stranka Prava) ins Stadtparlament von Zagreb ein, danach arbeitete er einige Zeit als Anwalt. 1927 wurde er ins Belgrader Parlament gewählt, wo er sich von Beginn an als Gegner der serbischen Dominanz innerhalb des „Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen“ (Kraljevina Srba, Hrvata i Slovenaca) profilierte. 1929 musste P. Jugoslawien verlassen und ging ins Exil nach Italien, wo er im selben Jahr die Bewegung „Ustaša – Hrvatska Revolucionarna Organizacija“ gründete. Sie bezeichnete sich selbst als Unabhängigkeitsbewegung gegen die serbische Hegemonie in Jugoslawien. Anders als bspw. die „Kroatische Bauernpartei“ (Hrvatska Seljačka Stranka, HSS) versuchte sie jedoch, ihre Ziele primär mit gewaltsamen, auch mit terroristischen Mitteln zu erreichen. Von Italien aus und mit Protektion durch Benito Mussolini leitete P. mehrere Jahre lang die Aktivitäten der Ustaša-Bewegung, die 1934 an der Ermordung des jugoslawischen Königs Aleksandar I. in Marseille beteiligt war. Als die Täterschaft bekannt wurde, verweigerte Mussolini P. weitere Unterstützung und stellte ihn unter Hausarrest. Die Machtergreifung fand im April 1941 statt, als P. nach der Zerschlagung Jugoslawiens durch deutsche und italiensche Truppen von Mussolini an die Spitze des neu geschaffenen „Unabhängigen Staates Kroatien“ gesetzt wurde. Diesen führte P. ganz nach dem Vorbild seiner italienischen und deutschen Verbündeten. So nahm er den Titel „Führer“ (Poglavnik) an und wandelte die Ustaša-Bewegung in eine Einheitspartei um. Ferner entstanden Milizen und ein Konzentrationslager in Jasenovac, in dem neben Oppositionellen auch zahlreiche serbische Zivilisten ums Leben kamen.

Nach Kriegsende wurde P. im Gegensatz zu zahlreichen seiner Anhänger und Mitläufer nicht gefasst und verurteilt, vielmehr gelang ihm die Flucht über Österreich und Italien nach Argentinien. Dort gründete er eine unbedeutende Exilregierung. Nach Ende des Krieges wurde P. in Jugoslawien in Abwesenheit zum zweiten Mal zum Tode verurteilt. Dennoch lebte er weiterhin unbehelligt in Argentinien als persönlicher Gast des Präsidenten Juan Domingo Perón. Nach dessen Sturz und einem gescheiterten Mordanschlag 1957 siedelte er zunächst nach Paraguay und schließlich nach Madrid über, wo er bis zu seinem Tod 1959 unter dem Schutz des Diktators Francisco Franco stand.

Rogić M. 1983: Die Idee des kroatischen Staates bei Ante Pavelić. München.

(Antje Helmerich)

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